Der Häuptling ist einer, der Honig schätzt

Der Häuptling ist einer, der Honig schätzt

Einband:
Kartonierter Einband
EAN:
9783819225123
Genre:
Erzählende Literatur & Romane
Autor:
Thomas Herget
Herausgeber:
BoD - Books on Demand
Erscheinungsdatum:
09.01.2026

Die Flucht in die Fantasie-Welt des Karl May verspricht keine Erlösung, sie eröffnet dem zahlenden Festspiel-Publikum nur gespenstische Reservate. Frida, Arne und Jonas sind unzuverlässige Zeugen, aber verlässliche Erfinder ihrer Freizeit. Den Kindertraum als Endlosschleife im Herzen, postulieren sie Blutsbrüderschaften in stereotyper Pflichtschuldigkeit - so macht sich "Der Häuptling ist einer, der Honig schätzt" als Satire über die Unbehaustheit des modernen Menschen her. In der psychologischen Druckkammer einer geisterhaften Wildwest-Retorte - abseits aller Debatten über Redfacing und kulturelle Aneignung - darf er als tapferer Stammeskrieger und schurkischer Revolverheld letztmals Edelmut beweisen. Doch bei der Suche nach Selbstoptimierung und permanenter Zerstreuung schmilzt seine Welt zu einem Ort voller Trauer und schrillem Witz. "Nur das Auge gibt dem Körper Licht", das zweite Stück in diesem Band, spiegelt die Reflexe einer verlorenen Generation in Zeiten pandemischer Unsicherheit wider. Nachdem das tückische Antilopenvirus das Land im Würgegriff hat, werden die unendlichen Gräberfelder einer Friedhofsmaschine zu Resonanzräumen und Projektionsflächen einer fragmentierten Gesellschaft, die auf ein Drittel der Bevölkerung zusammengeschrumpft ist. Aus rollenspielartigen Perspektivwechseln, diffusen Wahrnehmungen und kriminalistisch verschränkten Zeitebenen erwächst ein konspiratives Kaleidoskop quirliger Figuren, die das Impfdrama als prophetisch-fröstelnde Groteske festschreiben. In den von Spott und Bigotterie gefärbten Theater-Burlesken, die jetzt erstmals als vollständig erweiterte Bühnenfassungen bereits veröffentlichter Hörspiele vorliegen, setzt Herget der Banalität des Alltags schwarzen Humor und absurde Komik entgegen. Im Duktus hochtouriger Konversationskomödien holt sich das beschädigte Personal sein privates Glück einmal mehr über den zivilen Ungehorsam und das Mysterium der Imagination zurück, indem es der anarchischen Lust beim Erfinden aberwitziger Geschichten frönt. Komplettiert wird die Sammlung durch eine Übersetzung des titelgebenden Dramas in die niederdeutsche Sprache.

Autorentext
Thomas Herget wurde 1964 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Kunststofftechnik und Maschinenbau in Darmstadt, schrieb daneben als Autor für Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Nach literarischen Förderpreisen (wie dem Jungen Literaturforum Hessen) und Stipendien (Residenzen am Literaturinstitut Leipzig) wandte er sich in den Neunzigerjahren zunächst vom Literaturbetrieb ab. Als Publizist lieferte er Beiträge in den Ressorts Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft für taz und Frankfurter Rundschau, schrieb Filmrezensionen für die Passauer Neue Presse und Junge Welt. Über dreieinhalb Jahrzehnte zeichnete Herget zudem als Kulturredakteur bei einem Stadtmagazin verantwortlich, heute schreibt er hauptsächlich für und über das Theater und den Hörfunk. In seinen teilfiktionalen Dramentexten setzt er zwischenmenschlichen Katastrophen und der Banalität des Alltags oft schwarzen Humor und absurde Komik entgegen. Angesiedelt sind seine von Bigotterie und Sinnkrisen beeinflussten Theater-Burlesken zumeist in randständigen Milieus und inmitten dystopischer Schauplätze wie Trailer Parks oder verwaisten Kraftwerken. Bekanntheit erlangte im März 2020 das Drama "Wir aßen sie roh", in dem weltweit erstmals das Coronavirus in einem Theaterstück Einzug hielt. Herget lebt in der Nähe von Kiel.


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