Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Medienwissenschaft
Herausgeber:
VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum:
01.01.1993
Dem Thema der Geschlechterdifferenz wurde in der Wissenschaft nur wenig sichtbare Aufmerksamkeit gewidmet. Daher erstaunt es nicht, wie sparlich, frag mentiert und einseitig die Kenntnisse der Wissenschaften zu diesem Thema wirk lich waren. Wiihrend der letzten 15 Jahre wurde dies durch die Arbeit von Wissenschaft lerinnen deutlich, deren Bindungen an die Frauenbewegung eine veriinderte Wahmehmung und Wertung zunachst der eigenen Situation in der Wissenschaft zur Folge hatte und schlieBlich den Blick auf die Wissenschaft veriinderte. Seither wachst die Zahl der Studien tiber die abgewertete und vemachlassigte soziale Er fahrung von Frauen und die Ungleichheiten im Geschlechterverhaltnis. In den Sozialwissenschaften avancierte die Geschlechtskategorie allmiihlich zur "strukturrelevanten Statusrolle".1 Das ist ein Resultat gesellschaftlicher Veriinderungen wahrend der letzten Jahrzehnte, in denen Frauenrollen einen anderen Status einzunehmen begonnen haben. Ein Ausdruck davon ist die generelle VergroBerung von Rollenspielraumen fUr Frauen, mit der die Loslosung aus den dominanten Zuschreibungen der primaren Rollenmuster als Mutter und Ehefrau sowie sekundarer Berufstiitigkeit verbunden ist. In diesem ProzeB gehen traditionelle Bindungen der Frauenrolle nicht verloren, sondem veriindem sich durch Umschichtungen bei der Gewichtung von Statusrollen. Diese Entwicklung beeinfluBt nicht nur einzelne Bereiche in unserer Gesellschaft wie die Familie, sondem greift auch auf andere institutionelle Bereiche tiber. Die Kategorie Geschlecht in den Sozialwissenschaften erflihrt eine Bedeu tungserweiterung, so daB sie, vergleichbar mit theoretischen Konzepten von "Klasse" oder "Schicht", als grundlegende Dimension sozialer Organisation ver standen werden muB. Das ist eine folgenreiche These, deren moglicher Bedeutung ich in dieser Ar 2 beit nachgehe.
Inhalt
I. Einleitung.- II. Das Konzept soziales Geschlecht.- 1. Hintergrund der Sex/Gender-Debatte.- 2. Geschlechtsrollen: Kontroverse zwischen Biologie und Soziologie.- 3. Typisierungsschemata von Männlichkeit und Weiblichkeit.- 4. Geschlechtergrenzen.- 5. Zusammenfassung.- III. Rekonstruktion: Geschlecht und Modernität.- 1. Der Strukturzusammenhang zwischen öffentlicher und privater Sphäre.- 2. Universalismus versus Partikularismus.- 3. Rekonstruktion: Sphärentrennung und Geschlechtsrollen.- 4. Die Sphärentrennung und die Arbeiterschicht.- 5. Die Dualität der Rollenidentifikation.- IV. Die normativen Dimensionen von Männlichkeit und Weiblichkeit.- 1. Das Geschlechterverhältnis als Relationsbeziehung.- 2. Konstitutionsmodelle von Weiblichkeit.- 3. Das Begründungsproblem.- V. Stereotypen, Labels und die Konstruktion von Differenzen.- 1. Handlungsleitende Funktion von Geschlechtsrollenmodellen.- 2. Typisierungsschemata in der sozialpsychologischen Geschlechtsrollenforschung.- 3. Bedingungen, unter denen Geschlecht zur auffälligen Statusrolle wird.- 4. Hierarchien und Opportunitätskontexte.- 5. Zusammenfassung.- 6. Auswertung.- VI. Feministische Theorien: Liberale Gleichheitskonzepte.- 1. Die theoretischen Grundlagen klassischer Gleichheitskonzeptionen.- 2. Individuum, Rationalität, Eigentum und Gleichheit.- 3. Frauen, Rationalität und Gleichheit.- 4. Zeitgenössische liberale Ansätze.- 5. Geschlechterdifferenzen und ihre Kritik.- 6. Das Verhältnis von öffentlichen und privaten Bereichen als symbolische Geschlechtergrenze.- 7. Zum Verhältnis von Sex und Gender im liberalen Feminismus.- VII. Feministische Theorien: Die Politisierung des Reproduktionsbereiches.- 1. Die Zwei-System-Ansätze.- 2. Die Trennung zwischen häuslicher und öffentlicher Sphäre: einefalsche Universalität?.- 3. Zur Rekonzeptionalisierung des Begriffes Reproduktion.- VIII. Geschlechtssymbolismus und Wissenschaftskritik.- 1. Die Männlichkeit (in) der Wissenschaft.- 2. Geschlechtssymbolismus.- 3. Gibt es typisch männliche Sichtweisen in der Wissenschaft?.- 4. Objekt-Relationstheorien und männliche Erfahrungen.- 5. Exkurs: Der Status der Psychoanalyse.- 6. Der Status des psychosexuellen Entwicklungsmodells in der philosophischen Wissenschaftskritik.- 7. Kritik.- IX. Institutionalisierung und Professionalisierang genuszentrierter Forschung.- 1. Institutionalisierung feministischer Positionen: Möglichkeiten und Widerstände.- 2. Disziplinäre Anerkennungsbarrieren in der Soziologie.- 3. Institutionelle Sozialstrukturen.- 4. Epistemologische und konzeptuelle Immunisierungen.- 5. Originalität oder Wiederholung?.- 6. Formalistische Sicht des Wissenschaftsfortschrittes.- 7. Zusammenfassung.- X. Schlußbemerkung.
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