Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Allgemeine & vergleichende Literaturwissenschaft
Autor:
Roman Luckscheiter
Herausgeber:
Duncker & Humblot
Erscheinungsdatum:
28.02.2001
Als die Studentenbewegung 1968 dabei war, die Literatur auf politische Handlungsanweisungen zu reduzieren, plädierte Leslie A. Fiedler für eine postmoderne Literatur, wie sie in Amerika gerade entstand: eine an Trivialmythen orientierte Literatur der Träume, Visionen und Ekstasen. Die Generation der Gruppe 47 reagierte entrüstet auf diese »Neueste Stimmung im Westen« (Walser), jüngere Autoren (Brinkmann, Handke) dagegen sahen in ihr einen überfälligen Vorstoß in unentdeckte Bereiche. Ausgehend von dieser spannungsreichen Konstellation fragt der Autor, inwiefern 1968 ein Paradigmenwechsel zur Postmoderne stattgefunden haben könnte. Er bettet die erste deutsche Postmoderne-Debatte in den Kontext von 1968 ein und unternimmt vor diesem Hintergrund eine neue Interpretation von Bernward Vespers Romanfragment »Die Reise« aus den Jahren 1969 bis 1971. Anhand der Literaturdebatten, der politischen Theorien und der gegenkulturellen Manifeste jener Zeit profiliert Roman Luckscheiter diejenigen Aspekte der Revolte, die für die ästhetische Postmoderne relevant werden sollten. Mit Hilfe dieser Aspekte wird im Anschluß daran das formal und inhaltlich hoch komplexe 68er-Kultbuch »Die Reise« in der bisher größtenteils ignorierten Schnittmenge von Studentenbewegung und Postmoderne verortet. Dabei wird deutlich, daß in den Jahren danach weniger eine »Rückkehr in die Innerlichkeit«, sondern eine konsequente Selbstbewußtwerdung stattgefunden hat, deren überaus literarische Konzepte aus den inneren Widersprüchen von 1968 hervorgegangen waren und sich nun den komplexen Verhältnissen einer offenen Gesellschaft stellten. Durch die Freiheiten des postmodernen Politik- und Kunstverständnisses stand die Literatur vor einer neuen Herausforderung.
Autorentext
Roman Luckscheiter, geboren 1970, wurde an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit über den postmodernen Impuls von 1968 promoviert.
Inhalt
Inhaltsübersicht: Einleitung: »1968« und Postmoderne? - A. »Impotenz« versus »Omnipotenz«: Die Krise der Literatur: »Betr. Gruppe 47« - Der »Züricher Literaturstreit« - Die Postmoderne-Debatte - »Kunst als Ware« - Zusammenfassung: Annäherungen an eine Postmoderne - B. Die »postmodernisierenden« Aspekte der »ästhetischen Revolte«: Krise und Kompensation - Aspekte der »Ästhetischen Revolte« - Zusammenfassung: Die Entstehung der Postmoderne aus An- und Widersprüchen - C. Fliegender Teppich oder Versuch einer Reise in die Postmoderne: Bernward Vespers Romanessay »Die Reise«: Kloake ordnen, Legende zerstören: Zur Frage nach der Form - Innenansichten eines Außenseiters: Zur Frage nach dem Ich - LSD fürs Volk: Die Religiosität der »Reise« - Leben im Zitat: Zur Frage nach literarischen Vorbildern - »Stummfilm« und exzessives Vokabular: Die Sprache - Zusammenfassung: Der Kampf um die Postmoderne - Schlußkapitel: Der postmoderne Impuls als Lösung einer Literaturkrise - Literaturverzeichnis - Sachwortregister
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