Einband:
Kartonierter Einband
Herausgeber:
Boehlau Verlag
Erscheinungsdatum:
15.11.2014
Möge sein Bildnis bleiben heute und immerdar im Herzen Österreichs! erhoffte sich Kurt Schuschnigg nach dem gewaltsamen Tod seines Vorgängers Engelbert Dollfuß im Juli 1934. 80 Jahre später nimmt Dollfuß in der Tat weiterhin einen besonderen, wenngleich stets umstrittenen Platz in Österreichs kulturellem Gedächtnis ein. Lucile Dreidemy begibt sich auf eine Spurensuche nach dem mythischen Nachleben jenes Mannes, der 1933/34 schrittweise die österreichische Demokratie beseitigte und seitdem das österreichische Geschichtsbewusstsein spaltet. Gestützt auf Theorien und Methoden der Mythen- und Biographieforschung sowie der Diskursanalyse untersucht die Autorin die Entstehung und Entwicklung des Dollfuß-Mythos im Laufe der letzten 80 Jahre, analysiert dessen verschiedene mediale Ausdrucksformen und fragt nach den Akteuren der Mythenbildung sowie deren politischen Interessen.
Autorentext
Lucile Dreidemy, Germanistin und Historikerin, war von 2009 bis 2013 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und ist heute Maître de conférences an der Universität Toulouse II Jean Jaurès. Diese Studie entstand im Rahmen einer Cotutelle zwischen den Universitäten Wien und Strasbourg, wo sie bis 2012 studierte.
Klappentext
"Möge sein Bildnis bleiben heute und immerdar im Herzen Österreichs!" erhoffte sich Kurt Schuschnigg nach dem gewaltsamen Tod seines Vorgängers Engelbert Dollfuß im Juli 1934. 80 Jahre später nimmt Dollfuß in der Tat weiterhin einen besonderen, wenngleich stets umstrittenen Platz in Österreichs kulturellem Gedächtnis ein. Lucile Dreidemy begibt sich auf eine Spurensuche nach dem mythischen Nachleben jenes Mannes, der 1933/34 schrittweise die österreichische Demokratie beseitigte und seitdem das österreichische Geschichtsbewusstsein spaltet. Gestützt auf Theorien und Methoden der Mythen- und Biographieforschung sowie der Diskursanalyse untersucht die Autorin die Entstehung und Entwicklung des Dollfuß-Mythos im Laufe der letzten 80 Jahre, analysiert dessen verschiedene mediale Ausdrucksformen und fragt nach den Akteuren der Mythenbildung sowie deren politischen Interessen.
Inhalt
Einleitung Dollfuß, Zankapfel des österreichischen Geschichtsbewusstseins Positionierung und Begriffsklärung Theoretische Grundlagen Mechanismen der Mythisierung und Funktionalität des Mythos Zum Konzept einer Biographie des Posthumen Methodische Vorgehensweise Der Mythos als diskursives Phänomen Die vielen Medien des Mythos Gliederung und Korpus I. Vom Ableben zum Nachleben Der Tod Putsch und Mord im Auftrag Hitlers? Das Rätsel um den zweiten Schuss Die Exhumierung Von Seipel zu Dollfuß: Beschwörung einer politischen Genealogie Die "Dollfuß-Straße": Aushängeschild und Scheideweg der österreichischen Innenpolitik "Du bist für uns nicht tot" II. Der Staatskult zwischen Politik und Religion Die Assoziierung mit Christus Dollfuß und der Marienkult Dollfuß und der Hl. Engelbert Die Dollfuß-Kirche auf der Hohen Wand - das religiöse Nationaldenkmal der VF Der Weg zur Seligsprechung Der Gedenkakt als patriotischer Bekenntnisakt Der "Volkstrauertag" als propagandistisches Konstrukt Ein Kult für die Jugend Die Reaktionen der jüdischen und evangelischen Glaubensgemeinschaften: Zwischen Zustimmung und Kritik Sakralisierung im Dienste der Politik III. Die Dollfuß-Hagiographik: Schriftliche Kanonisierung Ideologische und stilistische Merkmale dieser "Hymnenliteratur" Von Dollfuß' Selbstinszenierung zu seiner posthumen Repräsentation - Die Topoi der Hagiographik Der Sohn der Scholle Der Mensch und Held Der Soldat und Kämpfer Ein Führer mit menschlichem Antlitz Der Retter des Vaterlandes Der "bessere" deutsche Bruder Der Ritter Gottes Rezeption, Wirksamkeit und Forschungsrelevanz der Dollfuß-Hagiographik IV. Der Denkmalboom - Dollfuß' steinernes Nachleben Die Beteiligung der Bevölkerung Der lange Weg zum "Nationaldenkmal" der VF Monumental oder karitativ? Vom Forum zur Führerschule Das zweite Teilprojekt: Das Dollfuß-Denkmal am Ballhausplatz Die Einweihung des "doppelten Nationaldenkmals" Das Haus der Vaterländischen Front Die Höhenstraßen als Materialisierung der ideologischen Dollfuß-Straße Lokale und skurrile Beispiele eines ausufernden Denkmalwahns Gedenkpolitik im Feuer der Kritik V. Der Dollfuß-Kult im Spannungsfeld der deutsch-österreichischen Konkurrenzpolitik Der strategische Versöhnungskurs der nationalsozialistischen Diplomatie Das Juliabkommen als Höhepunkt der "Dollfuß-Straße" der Versöhnung Die internationale Rezeption des Juliabkommens Der "Volkstrauertag" 1936 zwischen Versöhnung und Widerstand Vom Juliabkommen bis zum "Anschluss": Mit Dollfuß in die Defensive Vom Staatskult zum "Anschluss" VI. Dollfuß' Nachleben im Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg Zwiespältiger Umgang der Nationalsozialisten mit Juliputsch und Dollfuß-Kult Ansätze eines Gegenkults vor 1938 Die offizielle Umdeutung des Juliputsches 1938: Symbole und Praktiken Künstler und Intellektuelle des Staatskults im Dienste des neuen Regimes Rehabilitierung der Juliputschisten und Schauprozess gegen Schuschnigg - zwei kontroverse Fragen Fasching 1939: "Großkampftage im Vergnügen" Sondervorkehrungen gegenüber Alwine Dollfuß Der Dollfuß-Kult in Widerstand und Exil 1938-1945 Subversive Formen des Gedenkens Der Platz Dollfuß' im konservativen Exildiskurs Vom konservativen Dollfuß-Mythos zur Moskauer Deklaration: Der Sieg des "ersten Opfers" VII. Dollfuß im politischen Diskurs der Zweiten Republik: Zwischen Tabuisierung, Konfrontation und Kompromissen Die Zeit der Großkoalition: Zwischen offizieller Versöhnungspolitik und antagonistischer Lageridentität Großkoalitionäre Tabus und Kompromisse Die ÖVP zwischen Dollfuß-Kurs und Dollfuß-Kult Das Dollfuß-Bild der SPÖ: Zwischen Distanz und Dämonisierung Das Gedenkjahr 1964 im Zeichen des großkoalitionären Motivs der geteilten Schuld Die "Reform" des Kults unter Josef Klaus "Vergeben, aber nicht vergessen!" - Dollfuß-Kompromiss und Dollfuß-Dilemma der Regierungen Kreisky Das Gedenkjahr 1984 - Letzter Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem Dollfuß/Schuschnigg-Regime Die Ära Schüssel und die neue Blüte des Kults Rückkehr der Großkoalition, Bruch und Kontinuität des Dollfuß-Kompromisses Der langsame Abschied von Dollfuß aus dem Bundeskanzleramt Die Grünen: Störenfried der großkoalitionären Dollfuß-Geschichtspolitik Das Dollfuß-Bild im Parlament: Letzte geschichtspolitische Kampflinie? Ein Mythos zwischen den politischen Fronten VIII. Von der ursprünglichen Hagiographik zur modernen Apologetik Die österreichische Dollfuß-Biographik im Schatten der Koalitionsgeschichtsschreibung Hagiographische Kontinuität aus dem Ausland Verehrung à la française Gordon Brook-Shepherd: "Neutrales" Sprachrohr der Dollfuß-Verehrung Moderner Revisionismus unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit Durchbruch einer "Entdämonisierungswissenschaft" Jüngste apologetische Offensive aus dem katholisch-traditionalistischen Lager Techniken der modernen Apologetik IX. Dollfuß' Platz in der österreichischen Erinnerungslandschaft seit 1945 Altes und Neues aus dem Bereich der Dollfuß-Denkmalpolitik Die Wiederbelebung der Dollfuß-Kirche auf der Hohen Wand Die Gestaltung neuer Erinnerungszeichen Der Umgang mit weiterbestehenden Denkmälern: Umgestalten, ergänzen oder entfernen? Das Dollfuß-Museum in Texing Entstehungsgeschichte des Museums Eine Gedenkstätte über den Umweg eines Museums Dollfuß im Museum: Ansprüche, Realität, Vision Conclusio Quellen- und Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Dank Anhang Abkürzungsverzeichnis Orts- und Namensverzeichnis
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