Autor:
Julia Barbara Köhne
Herausgeber:
Boehlau Verlag
Erscheinungsdatum:
30.04.2014
Die Frage, wem die Auszeichnung "Genie" gebühre, wurde vor hundert Jahren in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und in literarisch-philosophischen Texten, z. B. von Walter Benjamin, Jakob Wassermann und Edgar Zilsel, hitzig debattiert. Die Monographie wirft einen Blick auf die glorifizierenden Zuschreibungen und epistemologischen Funktionen, die der Wissensfigur "Genie" in der damaligen Scientific Community zugewiesen wurden. Sie untersucht, wie sich Vertreter vor allem neuerer Fachdisziplinen mithilfe der Geniefigur ihrer eigenen intellektuellen und schöpferischen Potenz versicherten, welche politischen, rassistischen und geschlechterspezifischen Implikationen das "Genie" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts transportierte und wie sich der geisteswissenschaftliche Geniekult um 1900 in der späteren Populärkultur, ausgewählten Spielfilmen ab Mitte der 1980er Jahre, widerspiegelte.
Autorentext
Julia Barbara Köhne, Privatdozentin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, forscht zu kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen sowie medientheoretischen Fragen.
Klappentext
Die Frage, wem die Auszeichnung "Genie" gebühre, wurde vor hundert Jahren in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und in literarisch-philosophischen Texten, z. B. von Walter Benjamin, Jakob Wassermann und Edgar Zilsel, hitzig debattiert. Die Monographie wirft einen Blick auf die glorifizierenden Zuschreibungen und epistemologischen Funktionen, die der Wissensfigur "Genie" in der damaligen Scientific Community zugewiesen wurden. Sie untersucht, wie sich Vertreter vor allem neuerer Fachdisziplinen mithilfe der Geniefigur ihrer eigenen intellektuellen und schöpferischen Potenz versicherten, welche politischen, rassistischen und geschlechterspezifischen Implikationen das "Genie" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts transportierte und wie sich der geisteswissenschaftliche Geniekult um 1900 in der späteren Populärkultur, ausgewählten Spielfilmen ab Mitte der 1980er Jahre, widerspiegelte.
Zusammenfassung
Die Frage, wem die Auszeichnung Genie gebühre, wurde vor hundert Jahren in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und in literarisch-philosophischen Texten, z. B. von Walter Benjamin, Jakob Wassermann und Edgar Zilsel, hitzig debattiert. Die Monographie wirft einen Blick auf die glorifizierenden Zuschreibungen und epistemologischen Funktionen, die der Wissensfigur Genie in der damaligen Scientific Community zugewiesen wurden. Sie untersucht, wie sich Vertreter vor allem neuerer Fachdisziplinen mithilfe der Geniefigur ihrer eigenen intellektuellen und schöpferischen Potenz versicherten, welche politischen, rassistischen und geschlechterspezifischen Implikationen das Genie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts transportierte und wie sich der geisteswissenschaftliche Geniekult um 1900 in der späteren Populärkultur, ausgewählten Spielfilmen ab Mitte der 1980er Jahre, widerspiegelte.
Inhalt
Einleitung: Geisteswissenschaftlicher Geniekult um 1900 und sein filmischer Widerhall Denkspiel Kulturelle und wissenschaftliche Unsicherheiten Genie als (Re-)Generator: Genie und Wissenschaft Epistemische Besonderheiten Forschungsstand Widerhall im Film TEIL A I Wissenschaftliche Verfahren I. 1 Biographisieren: Genie Leben Schreiben Das geniale Leben erzählen Kontinuität und Aktualität Umarmung von Wissenschaft und Biographik Zwei Beispiele zum Konnex von Wissenschaft und Biographik Spezialfall Jesus-Biographien um 1900 Conclusio: Genieforschung und Biographik: Ein Pas de deux I. 2 Metaphorisieren: Natur- und Himmelsmetaphern Naturelemente: Wasser, Feuer (Licht, Blitze), Luft (Wetter), Erde (Berge) Astral- und Himmelskörpermetaphern: Sonne, Planeten, Sterne Conclusio: Das stellare Genie II Konzeptuelle Figurationen: Fünf Fragen II. 1 (De-)Sakralisieren /Erotisieren: Religiosität und Genie bei Hans Blüher / Kritik am Genieglauben bei Julian Hirsch und Edgar Zilsel Hans Blühers Beschreibung des deutschen Wandervogels: Mann-männliche Erotik und Führerpersönlichkeit Wander-Vögel: Männerbünde und der christusähnliche Männerheld Exklusion von Frauen und Juden Bruderschaft, Sonderunsterblichkeit und Geniehimmel Julian Hirschs Die Genesis des Ruhmes: Eminente Persönlichkeiten, Verehrungstrieb und Phänographik Wider die Geniedrachen: Edgar Zilsels Die Geniereligion Die Geniereligion: Analyse Unmenschlichkeit Exklusionen: Masse und Jüdisches Zilsels wissenschaftliches Selbst und das Wissenschaftlichkeitsproblem Zilsels blinde Stellen: Geschlechterfragen und Psychoanalyse Ausbreitung von Unwahrheit und Verlust von Werten Conclusio: Religiosität und Genie II. 2 Vergeschlechtlichen: Schwangere Philosophen und geistige Kinder Platon Gastmahl Sokrates Eros Walter Benjamins Kritik der Erektion des Wissens und der Vergeschlechtlichung des Geistigen Prostitutionsexkurs Conclusio: Vergeschlechtlichende Metaphern II. 3 Verweiblichen: Ist Jakob Wassermanns Faustina ein weibliches Genie? Ein Gespräch über die Liebe Entleerte Liebe und Trägheit des Herzens Selbstgenialisierung und Geniekult Faustinas Einwand: Vergänglichkeit Fleisch Bruch: Der Literat Conclusio: Frauenexklusion II. 4 Rassifizieren: Otto Weiningers Geniemetaphysik. Vom Juden zum Genie zum Religionsstifter Geistige Eskalationen: Entkörperlichung und De-Sexualisierung des Genies Weiningers Methode: Empirie ohne Empirie Pyramidensystem: Stufenplan für männliche Genieprätendenten Sexuelle Zwischenformen und Re-Essentialisierung Genialität und Genitalität Der geniale Religionsstifter Selbstgenialisierungen Weiningers und der Wissenschaft Conclusio: Frage des Geschlechts Lösung der Frauenfrage II. 5 Kollektivieren /Züchten: Visionen eines genialen deutschen Volkskörpers Kollektivierung der Genialität Das geniale Kollektiv Geniale Gesichter beschreiben Physiognomik, Portrait, Phrenologie Rassenpolitische Ideologie: Houston Stewart Chamberlains Idee eines reinrassigen genialen Kollektivs und Ludwig Flügges hysterophile Genies Arisierung und Germanisierung des Genies Nationalsozialistische Ausläufer: Begabtenpolitik und Züchtungsphantasien TEIL B III Genialer Widerhall: Filmische Adaptionen des Geniekults ab Mitte der 1980er Jahre Mind The Gap Der wilde Sprung III. 1 Amadeus: Gottgesandt, gottgegeben, gottähnlich, gottverlassen. Christliche Metonymien in Milos Formans Amadeus (1984) Mozart ist viele Mozart als Christusfigur an Constanzes Busen Conclusio: Christologie und Geniologie III. 2 Elias ein zweifach geborenes und gebärendes Gehörgenie. Geburtsmetaphern in Joseph Vilsmaiers Schlafes Bruder (1995) Geniewerdung Geniegeburt aus der Natur: Himmel, Wasser, Stein Orgel Sex Kirche: Vom Geborenen zum Gebärenden Selbstopferung Figurenkonstellationen I: Abdankende Vaterfiguren Figurenkonstellationen II: Liebesmodelle als Hindernis, Herausforderung oder Beflügelung Conclusio: An die Natur zurückgegeben III. 3 Genie Wahn Liebe: Ein Genie auf Diät. Filmische Transpositionen von wissenschaftlichen Theorien zu Genie und Wahnsinn in Ron Howards A Beautiful Mind (2001) Inszenierung des Genies: Fensterkunst, geschmacklose Krawatten und Selbstgenialisierung Nashs Historische Adaptionen: Genie und Wahnsinn Prinzip Liebe Prinzip Realität Conclusio: Historische Transformationen. Ein wahnsinniges Genie auf Diät Schluss: Das Genie als Selbstbespiegelungsfigur der Geisteswissenschaften und Literaturen Geisteswissenschaftlicher Geniekult und Disziplinenchaos Rationalisierung versus Re-Romantisierung und Sakralisierung Fünf Fragen, die das Genie überstieg Wiederkehr des Genies im Film Das undisziplinierbare Genie Abkürzungen Filmographie Literatur- und Quellenverzeichnis Personenregister
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